Seiten

Dienstag, 6. Juni 2017

Die tanzende Gams

Dieses Knochenplättchen wurde 1868 in der archäologischen Grabungsstelle von Laugerie-Basse, in Frankreich, gefunden und zunächst für eine Art Knopf gehalten. Allerdings wenn man die Scheibe in schnelle Bewegung versetzt, das geht mit einem aufgezwirnten Faden, steht der Gamsbock dauernd auf und nieder (oder vielleicht tanzt er ja auch).



Dieses prähistorische Daumenkino ist sicher um die 12.000 Jahre alt!

Tanzen oder nicht tanzen; das ist hier die Frage...



Euer,

Karl.

Samstag, 3. Juni 2017

Pflanzen der Alpen - Schuttpflanzen lassen sich nicht so leicht unterkriegen

Hangschutt scheint nicht gerade das interessanteste Thema zu sein, tatsächlich ist aber der Schuttmantel unserer Berge ein außergewöhnlicher Lebensraum. Hangschutt bildet sich durch die Ansammlung von Gesteinstrümmern am Fuß einer Felswand, die infolge der Verwitterung einer Felswand entstehen. Der Schutt kann verschiedenste Korngrößen aufweisen, von großen Blöcken bis zu feiner Lehm, sowie lose oder fest sein. 

Schuttablagerungen am Fuß einer Felswand scheinen von weitem immer steiler zu sein, als sie dann tatsächlich sind. Es handelt sich dabei um eine optische Täuschung. Sind die Bilder, die unsere beiden Augen unter leicht verschiedenen Winkeln wahrnehmen, zu ähnlich, kann das Gehirn keine Tiefenwahrnehmung mehr wahrnehmen. Der obere Teil scheint daher dem Fuß des Schuttkegels angenähert zu sein. Von weitem verschwimmen auch die Details, wie Blöcke, auf dem Schutt und das Bild wird noch weniger klar für das Gehirn. 

Steil genug zum raufklettern sind sie trotzdem ;P


Tatsächlich wird die Hangneigung von lockeren Material durch den inneren Reibungswinkel des Materials beschränkt. So ordnen sich Sandkörner dachziegelartig an und verhaken sich ineinander, sodass der Reibungswiederstand und damit der Reibungswinkel am größten ist, und die Neigung maximal 30-35° erreichen kann. Schutthalden sind instabile Lebensräume. Stetig rutscht das Material nach unten und von oben erfolgt Steinschlag. Schuttwanderer, wie das Täschelkraut, durchspinnen mit langen Kriechtrieben den Schutt und überleben indem die Triebe der Bewegung nachgeben

Das Täschelkraut:

Schuttüberkriecher breiten sich mit schlaffen beblätterten Trieben über den Schutt aus. Wurzeln sind sehr viel flexibler und stärker als der Spross, da sich die Wurzeln notgedrungen an die Verhältnisse im Boden anpassen mussten. Schuttstrecker, wie der Alpen-Säuerling oder der Rhätische Mohn, überleben auch Überdeckung. Die dicken Sprosse arbeiten sich durch Schutt stets von neuem nach oben , und treiben dort immer wieder aus.

Der Rhätische- oder Alpen-Mohn:

Schuttdecker und Schuttstauer, wie Gipskraut, Silberwurz, Blaugras und Horstseggen bilden wurzelnd Decken und Polster aus, die sehr stabil sind und der Schuttbewegeung wiederstehen. 

Der Silberwurz:

Beim Stängellosem Leimkraut reicht das Wurzelsystem bis zu einem halben Meter in den Erdboden. Diese Hindernisse stellen erste Ruhepunkte in einer Schutthalde dar, wo sich auch andere Pflanzen ansiedeln können. Lotrechte Kalk- und Dolomitwände werden schließlich von Felspflanzen, die hier frei von Konkurrenz leben können, und mikroskopischen Algen und Flechten, die den Felsen zersetzten, besiedelt.

Euer,

Karl.

Dienstag, 23. Mai 2017

Carl von Linné und der schöne Name der Gams

Der wissenschaftliche Name der Gämse lautet Rupicapra rupicapra. Dieser, wie ich finde sehr schöne Name, wurde ihr vom schwedischen Naturforscher Carl von Linné im Jahre 1758 gegeben. Übrigens würde von Linné heute seinen 310ten Geburtstag  feiern.

Alte Abbildungen der Gams, aus der Damographia: oder Gemsen Beschreibung, um 1730.

Linné studierte Pflanzen, Tiere und Mineralien und wollte sie auch so einteilen, das jeder Forscher sie erkennen würde. Der heutige Name der Gams stammt sehr wahrscheinlich aus dem griechischen kemas ab, eine Bezeichnung für Wildziegen, wobei es nicht ganz klar ist, ob damit damals schon die eigentlichen Gämsen gemeint waren.  Die griechische Bezeichnung hat noch ältere Wurzeln, nämlich aus dem indischen Sanskrit camp oder kamp, das man mit springen übersetzen könnte. Wenn man eine Gams sich im gebirgigen Gelände fortbewegen und selbst steile Hänge erklimmen sieht, versteht man auch warum. In den Alpen hat die Gams aber auch andere Namen, je nach Land. Auf französisch heißt es chamois, auf spanisch isard oder auch camussa, auf italienisch camoscio, auf ladinisch ciamurc und auf furlanisch ciamòz. Linné erkannte das diese vielen Namen nur Verwirrung stiften würden. Er schlug daher vor, dass man jeder Pflanzen- und Tierart einen lateinischen Namen gibt. Rupicapra  Latein war damals eine Sprache die alle Gelehrten, unabhängig vom Land, kannten.

Ich denke ich werde mich mal auf die Spuren von Linné begeben, er liebte es nämlich zu Wandern und dabei Pflanzen zu sammeln.


Euer,

Karl. 

Sonntag, 21. Mai 2017

Pflanzen der Alpen - Tolle Moose

Wir Gämsen mögen ja eigentlich keine Moose. Zumindest nicht zum Fressen gern, außer im Winter, wenn es sonst kein frisches Grün gibt. Moose sind unscheinbare, kleine Pflanzen, aber eigentlich viel zu schade um nur darauf herumzutrampeln.


Sie haben keine Wurzeln, keine Blüten, brauchen viel Wasser, wachsen sehr langsam und pflanzen sich nur mit Sporen fort. Aber sie sind dennoch sehr erfolgreich. Weltweit gibt es rund 20.000 Moosarten, die in drei große Gruppen eingeteilt werden. Mit etwa 12.000 Arten sind Laubmoose die zweitgrößte Gruppe der grünen Landpflanzen nach den Blütenpflanzen. Lebermoose bringen es auf 7.200 Arten. Von den Hornmoose gibt es weltweit etwa 7.200 Arten, aber nur wenige kann man auch in den Alpen finden. Moose vertragen gut Kälte und können auch lange Zeit ohne Wasser auskommen. Wenn es dann regnet, saugen sie schnell das Wasser über ihre Oberfläche auf. Moose kommen ohne Erde aus und wachsen auch in Felsspalten. In den Alpen kann man sie bis auf eine Höhe von 4.100 Meter finden. Im Himalaya kommen sie sogar noch auf 6.000 Meter vor. Einzig Luftverschmutzung vertragen sie nicht besonders gut. Viele Moosarten sind daher ein Hinweis auf gute Luftqualität, wie wir sie im Wald finden können.


Euer,

Karl.

Samstag, 20. Mai 2017

Klimawandel macht Klettern gefährlich

Steinböcke lieben es zu klettern, und bevorzugen daher felsige Hänge und Geröllhalden in 1.600 bis 3.000m Höhe. Allerdings haben sich die Berge in letzter Zeit verändert, nicht immer zum Guten. Der Klimawandel ist besonders in den letzten Jahren immer schneller und stärker geworden. Das Klima ändert sich weil die Menschen Abgase und Treibstoffgase in die Luft blasen. Diese Gase halten die wärmenden Sonnenstrahlen zurück, die Erde wird immer wärmer. Auch in den Bergen merkt man das.


Der Klimawandel trifft die Alpen besonders hart. Hier war der Temperaturanstieg vom späten 19. Jahrhundert bis zum Beginn des 21. Jahrhunderts um die 2°C, doppelt so hoch wie im globalen Durchschnitt. Die höheren Temperaturen haben nicht nur Einfluss auf Pflanzen und Tiere, sondern auch auf die Felsen und die Berge. Gletscher ziehen sich zurück und der Permafrost schmilzt ab. Permafrost ist gefrorener Untergrund. Eis das man dort findet, haltet oft die Felsen zusammen. Wenn Permafrost schmilzt, zerbricht der Fels und Wasser dringt in den Berg ein.
Erhöhte Steinschlaggefahr in den europäischen Alpen wurde mit dem Abschmelzen des Permafrosts in Zusammenhang gebracht. Allerdings ist es schwierig, die derzeitige Steinschlagaktivität mit der Vergangenheit zu vergleichen. Es gibt kaum Quellen dazu (wie zum Beispiel alte Fotos), und es ist daher schwierig einen direkten Zusammenhang mit dem Temperaturanstieg in den letzten 150 Jahren herzustellen. Forscher haben nun auf ungewöhnliche Dokumente zurückgegriffen um dieses Problem zu lösen, nämlich historische Beschreibungen von Kletterrouten.

Die ersten Kletterführer wurden in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, mit dem Aufkommen des Alpinismus, veröffentlicht. Zuerst in englischer, später auch in deutscher Sprache und in immer größeren Zahlen. Viele Beschreibungen von Kletterrouten umfassen nicht nur die Lage, Art und Schwierigkeit einer Route, sondern auch mögliche Gefahren, wie brüchiger Fels oder Steinschlag. Durch das Vergleichen wie sich diese Beschreibungen in verschiedene Ausgaben von Kletterführern über die Jahre hin verändert haben, kann die Steinschlaggefahr abgeschätzt werden. In den letzten 148 Jahren haben sich bei 19% der Kletterrouten im Eigergebiet (das liegt in der Schweiz) die Gefahrenabschätzung geändert. Zumeist wurde die Gefahr von plötzlichen Steinschlag als höher eingestuft, oder der Fels als brüchiger bezeichnet (es gab allerdings auch positive Entwicklungen). Die Gefahr wurde besonders in den letzten Jahrzehnten als höher eingestuft.

Nicht nur grumpelige Steinböcke, auch der sorglose Umgang des Menschen mit der Natur kann in den Alpen gefährlich werden.

Euer,

Alfred.

Freitag, 19. Mai 2017

Der Alpensteinbock

Hallo, mein Name ist Alfred ... ein fast echter Alpensteinbock ;) ... benannt nach dem berühmten Naturforscher Alfred Russel Wallace, und zusammen mit Karl Alpengams werde ich hier im Blog über meine Heimat in den Bergen und die Natur in den Alpen schreiben :)


“Der starke Steinbock ist das schönste Jagdtier, welches ich je gesehen habe. Er hat die wundervolle Hauptbewegung des Hirsches; das fast unverhältnismäßig große Gehörn beschreibt bei der kleinsten Kopfbewegung einen weiten Bogen.” So schreibt der Naturkundler Graf Johann Nepomuk Wilczek (1837-1922) über den Alpensteinbock.
Der Steinbock ist aber nicht nur in den Alpen verbreitet, sondern in allen Hochgebirgen bis nach Vorderasien und Afrika.

"Was für geschwinde und weite Sprünge dieses Their von einem Felsen zu dem anderen thut, ist unmüglich zu glauben!" so schwärmt der Schweizer Naturforscher Konrad Geßner in 1565, und stellt den Steinbock auch springend dar in seinem Thierbuch. Der Steinbock bevorzugt felsige Hänge und Geröllhalden in 1.600 bis 3.000m Höhe, steigt aber auch in der Winterzeit bis zum Rand der Bergwälder hinab.


In der Steinzeit ist der Steinbock, neben Gams und Murmeltier, ein wichtiges Jagdwild. Ab der Jungsteinzeit nimmt er aber rapide ab. Eine Klimaverbesserung und gleichzeitige Verschiebung der Vegetationsgrenze dürfte zu einem Rückzug des Steinbocks geführt haben. Im Hochmittelalter führen Rodungen, Siedlungsausbau, Jagdwaffenentwicklung und uneingeschränkte Jagd zu lokalen Aussterben. Im 15. Jahrhundert gab es in Tirol nur noch drei Gegenden mit Steinwild, das Zillertal, das Tauferer Tal und das Pitz/Kaunertal. Der Steinbock wurde gejagt, weil man dachte Steinbock-Produkte würden gegen allerlei Krankheiten helfen.
Der römische Artzt Marcellus schreibt im 5. Jahrhundert in seinen „De Medicamentis“, das die Losung des Steinbocks ein „unglaubliches und einzigartiges Mittel gegen Ischias und Gelenkentzündung sei, das selbst der Arzt Ausonius innerhalb von fünf Tagen von großen Schmerzen befreit hat.“ Im Mittelalter wurden allen Körperteilen Heilkräfte zugeschrieben, besonders gegen körperliche Schwäche und Schwindelgefühl. Im Jahre 1729 liest man in einer Innsbrucker Verordnung „Das Gescheibte von dem Steinbockhorn heilet, wenn man es in Milch gekocht, die Colic, und ist gut wider Mutterbeschwerden und andere dergleichen Frauenzimmer-Zufälle, die nicht weniger treffliche Mittel wieder wieder der Rauch davon, wenn man ihn durch Nase und Mund an sich zieht, ein vortreffliches Mittel wieder diesselben ist.“


Laut Hildegard von Bingen schützten Bekleidung aus Steinbockleder gegen Krankheiten. Sogar der Schwanzwedel vertreibe, so der Aberglaube, jegliche Zauberei. Natürlich waren auch die Hörner als Jagdtrophäe sehr beliebt. Die Hörner eines Steinbocks können bis zu 1m lang, und 5kg schwer werden. Die Hörner werden dazu genutzt die Rangordnung zu bestimmen, nur der stärkste Bock kann sich während der Brunftzeit paaren.

Erst Kaiser und begeisterter Jäger Maximilian I. gelang es gewisse Bereiche, wo der Steinbock noch vorkam, unter Schutz zu stellen. Gegen Mitte des 16. Jahrhunderts war das Steinwild in Tirol sehr selten geworden und ein Dokument aus dem Jahre 1574 gibt den Bestand ausdrücklich als erloschenen an. Im 18. Jahrhundert war der Alpensteinbock beinahe vollständig aus den Alpen verschwunden. Zum Glück konnte der Alpensteinbock im letzten Moment vor den Aussterben bewahrt werden.



Euer,

Alfred.

Wettervorhersage mit der Gams

Kann man mit Tieren und Pflanzen das Wetter vorhersagen? Wenn man beim Wandern etwas aufpasst, klappt das sogar. Bäume zum Beispiel lassen ihre Blätter hängen und Blumen ihre Blüten, wenn der Luftdruck fällt. Der Löwenzahn dagegen schließt seine Blüten, wenn die Luftfeuchtigkeit steigt. Beides deutet darauf hin das bald Regen kommt. Schafe und Kühe weiden bevorzugt bergab bei einer Wetterverschlechterung. Auch die Gämsen ziehen sich zurück in die Bergwälder. Im freien Gelände droht nämlich auch Blitzschlag bei einem Gewitter. Naturforscher haben herausgefunden, das ein  Blitz auch eine ganze Herde Gämsen töten kann. Die Berge sind nun mal nicht nur schön, sondern oft genug auch gefährlich. Besser rechtzeitig Schutz suchen und ausgesetzte Grate vermeiden. Auch Dohlen fliegen bei schlechten Wetter von den Bergen hinunter ins Tal. Laubfrösche singen bei steigenden Luftfeuchtigkeit und fallenden Luftdruck, als Amphibien lieben sie es nass. Bei schönen Wetter steigt die warme Luft nach oben und trägt fliegende Insekten mit sich. Vögel, wie die Schwalben, folgen den Insekten bei ihrer Jagd. Deshalb sagt man auch das wenn Schwalben hoch fliegen, das Wetter gut wird. Wenn sich ein Tiefdruckgebiet nähert, frischt Wind auf und die Insekten bleiben am Boden. Deshalb sieht man eher keine Insekten oder Vögel fliegen, wenn das Wetter schlechter wird.

Mmmh, die Wolken hängen ziemlich tief hier, besser in Deckung gehen. Aber wenn ihr könnt, genießt das schöne Wetter,

euer,

Karl.