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Sonntag, 13. August 2017

Drachen in den Alpen

In einer um 1600 verfassten Landesbeschreibung von Südtirol werden unter Steinböcke, Gämsen und viele andere Tiere, die man in den Alpen finden kann, auch Drachen erwähnt

"Gemsen und Steinböck derfindet man in den allerwildesten hohen Schrofen (…) Darzu Biber, Dachs, Otter und Fuchs, Stainmarder, Murmentl, Hasen, Razen, wilde Katzen, Igl, Wisele, Eichhorn (…). Weiters Orhennen und Hahne, Steinhühner, Schneehühner, Reph- und Haselhühner, Spielhennen, Schneegans, Wildtauben dreierlei Sort, Enten, Storchen, Reigen, Schnepfen (…) deßgleichen Geier, Habicht, Jochgeier.
Es wollen auch etliche, dass ehe dis Land bewohnt, sich vil der Draken in Seen und Wildflussen sich aufgehalten haben. Anjzo aber ist in diser Landschaft kein Ort oder Winkl so klein oder so wil nit, er wird von Leuten durchsucht, gereinigt und bewohnt.“ Allerdings glaubt der Schreiberling selber nicht so recht daran.

Auch der Schweizer Naturgelehrte Johann Jacob Scheuchzer (1672–1733), beschreibt in seiner  „Naturgeschichte des Schweizerlandes“, eine der ersten Beschreibungen der Alpen, Drachen. 


Scheuchzer schlägt verschiedene Erklärungen vor, um den Drachenglauben in der einheimischen Bevölkerung zu erklären. Möglich, so Scheuchzer, dass die Entdeckung von  Knochen von ausgestorbenen Tieren die Phantasie der Einheimischen beflügelte. Scheuchzer lehnt es aber nicht völlig  ab, das große, unbekannte Arten von Reptilien in den Alpen noch entdeckt werden können. Ein interessanter Hinweiß ist die Bemerkung, das Drachen auch für Naturkatastrophen verantwortlich sein sollen. Er schreibt "dass die wütenden Bergwässer bei den Älplern oft mit dem Namen der Drachen benennt werden. Wenn nämlich ein Bach die Berge herunter rauscht, und große Steine, Bäume und andere Dinge mit sich führt, so pflegen sie zu sagen: ‚Es ist ein Drach ausgefahren‘; zu welcher figürlichen Benennung vielleicht die Schädlichkeit der Drachen Anlass gegeben; und ich bin nicht in Abrede, dass nicht viele falsche Erzählungen von Drachen auch daher ihren Ursprung haben mögen."


Laut Sage hausen viele Drachen ja in Höhlen oder zwischen Felsen, hoch im Gebirge. Wenn es stark regnet oder schneit, können sich aus solchen steilen Gelände Steinschlag, Lawinen oder Muren lösen und es kommt zu Sturzfluten. 


Es ist daher nicht verwunderlich, das die Menschen dachten, das ein Drache dafür verantwortlich ist. Ich schau mich mal nach Drachen um, mit steilen Berge habe ich ja genug Erfahrung, Schnee gibt es hier auch, nur das Wetter passt nicht recht, zu viel Sonnenschein ;)


Euer,

Karl.

Sonntag, 6. August 2017

Die Jagd nach den Steinbock

Seit Urzeiten wird der Steinbock gejagt. Ötzi, eine Eismumie die in den italienischen Alpen entdeckt wurde und über 5.000 Jahre alt ist, hatte vor seinen Tod Steinbockfleisch gegessen. Bei den Römern wurden Steinböcke in ihren Zirkussen vorgeführt und im Mittelalter war er eine begehrte Jagdbeute. Die Steinbockjagd war gefährlich. Die Tiere wurden in die Enge getrieben oder in steile Wände und dann mit bis zu 7m langen Jagdspießen heruntergestoßen. Das Ausfällen mit dem Gejaid- oder Gamsschaft war typisch für die Jagd in den Alpen. 


Als die ersten Feuerwaffen aufkamen wurde die Jagd sehr viel einfacher. Zu viele Steinböcke wurden abgeschossen und die Steinbockpopulationen litten sehr darunter. Im Weisskunig (1505-1516), eine Erzählung die auf das Leben von Maximilian I. beruht, lesen wir „die stainpöck waren also mit den handpuxn gar nahend ausgeödt worden...als der jung weiß kunig die stainpöckangefangen hat zu hayen, sein nit über vier stainpöck gewesen.“
Der Steinbock war nicht nur als Jagdtrophäe sehr beliebt, man glaubte auch, das Pulver aus seinen zerstoßenen Hörner gegen viele Krankheiten helfen würde. Das Pulver wurde in Apotheken für gutes Geld verkauft, kein Wunder das Jäger und Wilderer hinter mir her waren.


In den Ostalpen wurde der Steinbock um 1705 ausgerottet, ein letztes Tier wurde um 1756 in Oberösterreich erlegt. Im Schweizer Wallis wurde der letzte Steinbock um 1809 geschossen und in der Mont-Blanc-Gruppe um 1870. Diese alte Abbildung, um 1852, wurde hergestellt, als der Steinbock schon beinahe vollständig aus den Alpen verschwunden war.


Die letzten Steinböcke der Alpen überlebten ausgerechnet im persönlichen Jagdrevier von Umberto I., König von Italien. Sein Sohn jagte noch bis 1912 Steinböcke im Aostatal, sieben Jahre später schenkte er das Gebiet den italienischen Staat. Nur noch 100 Steinböcke gab es damals. Am 13. Dezember 1922 wurde der Nationalpark Gran Paradiso gegründet und heute leben wieder um die 2500 Steinböcke dort.  



Euer,

Alfred.

Mittwoch, 26. Juli 2017

Von Tieren und Bergbau in den Bergen

Der Steinbock ist eines der Symboltiere der Berge, aber besonders der Alpen, und er wurde daher oft verwendet um Dokumente und Karten zu verzieren. 

 Der stolze Steinbock und seine Berge.

Im Mittelalter war Tirol, in den Ostalpen, eine der wichtigsten Bergbauregionen Europas. In den Bergen wurde unter oft schwierigen Bedingungen nach Kupfer, Silber und Gold geschürft. Diese Tirolkarte von 1609, in der Form eines Adlers, zeigt die Reichtümer des Landes. In der rechten Ecke stellt der Löwe den Handel mit Wein nach Süditalien dar. Der Steinbock in der linken Ecke stellt dagegen den Handel von Metallen, wie Kupfer, Silber und auch Gold, mit den Schweizer Kantonen dar.


Der Bedarf an Metallen zu jener Zeit war erheblich. Eisen wurde benötigt um Waffen und Werkzeuge herzustellen. Kupfer wurde für Werkzeuge und Kunstwerke verwendet. Gold und Silber waren für den Handel wichtig. Ein Nürnberger Metallhändler schreibt in 1523:

„Silber findt man die Menge in keinem anderen Land denn im Heiligen Reich, sondern alle umbliegenden christliche und unchristliche Land müssen aus Teutschen Landen mit Silber gespeist und versehen werden.“

Die schwierige Suche nach Erz in den Bergen, führte dazu, dass das einfache Volk sich den Bergsegen in den Alpen nur durch Sagen erklären konnte. Tiere spielen in mancher Sage zur Gründung eines Bergwerks eine wichtige Rolle, vor allem in der Steiermark, Tirol und im Salzburgischen Land. Meist sind es Pferde, Ochsen, Ziegen oder Jagdwild, die mehr oder weniger zufällig eine Erzader anzeigen. Laut Sage wurde das Erz von Schwaz in Tirol duch einen wilden Stier entdeckt, der mit seinen Hörnern das Erdreich aufwühlte und die Erzader so bloßlegte. Dieselbe Sage erzählt man sich über die Entdeckung des Kupfers bei Prettau. In Brixlegg (ebenfalls in Tirol) wird eine Grube „Geyer“ genannt, da laut Überlieferung einst ein Jäger in einem Geiernest lauter Erzbrocken fand und so das Erzaufkommen erst bekannt wurde.
In einer Variante dieser Sage wirft ein Hirte einer störrischen Kuh einen Stein hinterher. Ein Berggeist, der zufällig vorbeikommt, ruft daraufhin aus „Halt Bua! Da Stoan gilt mehr als d´Kuah!!“ Es stellt sich heraus das der Stein aus Erz oder Gold besteht.

Oft hat auch der Teufel seine Hufe im Spiel. In dieser alten Abbildung übergibt der Teufel, erkennbar an seinen Bockfüßen, einigen Knappen das Geheimnis einer reichen Erzader, allerdings zum Preis ihres Seelenheils.


Auch über das Ende eines Bergwerks wird oft in Zusammenhang mit Tieren berichtet. Einst, so die Sage aus Halle, zogen die Knappen von Schwaz, betrunken nach einem ausgiebigen Gelage, einem zufällig vorbeikommenden Ochsen aus Jux die Haut bei lebendigen Leibe ab. Die Knappen fuhren danach in die Stollen ein, aber die Strafe für ihre Frevel folgte bald. Die Stollen füllten sich mit Wasser und keiner der Knappen konnte entkommen. Noch heute fließt ein blutrot gefärbtes Rinnsal aus dem ehemaligen Bergwerk. Vielleicht ist diese Sage eine Anspielung an Erzauscheidungen aus dem Grubenwasser, die oft seltsame Farben annehmen können. 



Diese Sage ist in Nord- und Südtirol in verschiedene Varianten recht verbreitet, sie unterscheidet sich hauptsächlich nur in den grausamen Details. So wird in manchen lokalen Erzählungen zusätzlich noch Salz auf den Wunden des Tieres gestreut.

Also zum Schluss eine wichtige Bitte, seid niemals grausam zu Tiere, gleich welcher Art.

Euer,

Alfred.

Sonntag, 25. Juni 2017

Der Klimawandel in den Alpen

Dichter und Naturforscher Johann Wolfgang von Goethe und der Naturforscher Friedrich Alexander Freiherr von Humboldt bemerkten schon vor über 200 Jahren, das Pflanzen in den Bergen auf verschiedenen Höhe vorkommen. Je höher man in den Bergen steigt, umso kühler wird. Bei gewissen Temperaturen können bestimmte Pflanzen nicht mehr überleben und nur noch angepasste Pflanzen kommen vor.


Das Klima in den Bergen wird aber immer wärmer. Pflanzen reagieren darauf, indem sie immer höher steigen, vor allem wärmeliebende Pflanzen steigen weiter nach oben. Kälteliebende Pflanzen wird es aber zu warm. Der Schweizer Alpinist und Botaniker Oswald Heer war einer der Ersten, der die Verbreitung der Pflanzenarten in dem europäischen Hochgebirge untersuchte. Im Jahre 1835 zählte er nur eine höhere Pflanze, den Alpen-Mannsschild, auf dem 3.411m hohen Piz Linard in der Silvretta-Gruppe. 1864 tauchte der Gletscher-Hahnenfuß und eine Margeriten-Art auf, 1895 zwei Steinbrech-Arten, 1911 waren es schon weitere acht Arten und 1937 waren es schließlich zehn Arten. Auf der Napfspitze in den Zillertaler Alpen, konnte ebenfalls eine Zunahme der Pflanzenarten von 31 auf 53 Arten beobachtet werden. In der Bernina-Gruppe stieg in den letzten 100 Jahren die Artenanzahl von 10 auf 28. Untersuchung zeigen allerdings auch, das die absolute Diversität in der Höhe abnimmt, die Gipfel werden immer einheitlicher in ihrer Pflanzendecke untereinander.

Auch die Baumgrenze hat sich in den Alpen um 100 Höhenmeter nach oben verschoben, in den dunklen Wäldern können aber viele lichtbedürftige Pflanzenarten nicht überleben. Zwergsträucher und Bäume verdrängen so viele alpine Spezialisten. Diese Pflanzen müssen nach oben hin ausweichen, wo sie Licht finden können. Die Wanderung von Pflanzen ist aber in den Alpen nach oben hin stark begrenzt.

Pflanzen können nicht einfach wie ein Steinbock dahin klettern wo es ihnen passt...


Viele Alpenpflanzen leben bereits im Schutt unterhalb der Gipfel, wo auch der höchste Berg zu Ende ist. Steile Felsen und Klippen können Pflanzen auch nicht gut hinaufklettere. Der Boden ist in höheren Lagen auch nicht so gut entwickelt wie in den tieferen Lagen. Viele Böden benötigen Jahrhunderte bis Jahrtausende um sich zu entwickeln. Erst in einer fernen Zukunft würden sich daher hoch in den Bergen gute Böden entwickeln, wo die verdrängten Pflanzen wieder wachsen könnten.

Eine Veränderung des Klima wirkt sich aber nicht nur direkt auf die Pflanzen aus, sondern verändert auch ihre Umgebung. Rutschungen und Felsstürze können im Hochgebirge häufiger werden. Was dabei mit den Pflanzen passiert weiß noch niemand so genau.

Euer,

Alfred.

Dienstag, 6. Juni 2017

Die tanzende Gams

Dieses Knochenplättchen wurde 1868 in der archäologischen Grabungsstelle von Laugerie-Basse, in Frankreich, gefunden und zunächst für eine Art Knopf gehalten. Allerdings wenn man die Scheibe in schnelle Bewegung versetzt, das geht mit einem aufgezwirnten Faden, steht der Gamsbock dauernd auf und nieder (oder vielleicht tanzt er ja auch).



Dieses prähistorische Daumenkino ist sicher um die 12.000 Jahre alt!

Tanzen oder nicht tanzen; das ist hier die Frage...



Euer,

Karl.

Samstag, 3. Juni 2017

Pflanzen der Alpen - Schuttpflanzen lassen sich nicht so leicht unterkriegen

Hangschutt scheint nicht gerade das interessanteste Thema zu sein, tatsächlich ist aber der Schuttmantel unserer Berge ein außergewöhnlicher Lebensraum. Hangschutt bildet sich durch die Ansammlung von Gesteinstrümmern am Fuß einer Felswand, die infolge der Verwitterung einer Felswand entstehen. Der Schutt kann verschiedenste Korngrößen aufweisen, von großen Blöcken bis zu feiner Lehm, sowie lose oder fest sein. 

Schuttablagerungen am Fuß einer Felswand scheinen von weitem immer steiler zu sein, als sie dann tatsächlich sind. Es handelt sich dabei um eine optische Täuschung. Sind die Bilder, die unsere beiden Augen unter leicht verschiedenen Winkeln wahrnehmen, zu ähnlich, kann das Gehirn keine Tiefenwahrnehmung mehr wahrnehmen. Der obere Teil scheint daher dem Fuß des Schuttkegels angenähert zu sein. Von weitem verschwimmen auch die Details, wie Blöcke, auf dem Schutt und das Bild wird noch weniger klar für das Gehirn. 

Steil genug zum raufklettern sind sie trotzdem ;P


Tatsächlich wird die Hangneigung von lockeren Material durch den inneren Reibungswinkel des Materials beschränkt. So ordnen sich Sandkörner dachziegelartig an und verhaken sich ineinander, sodass der Reibungswiederstand und damit der Reibungswinkel am größten ist, und die Neigung maximal 30-35° erreichen kann. Schutthalden sind instabile Lebensräume. Stetig rutscht das Material nach unten und von oben erfolgt Steinschlag. Schuttwanderer, wie das Täschelkraut, durchspinnen mit langen Kriechtrieben den Schutt und überleben indem die Triebe der Bewegung nachgeben

Das Täschelkraut:

Schuttüberkriecher breiten sich mit schlaffen beblätterten Trieben über den Schutt aus. Wurzeln sind sehr viel flexibler und stärker als der Spross, da sich die Wurzeln notgedrungen an die Verhältnisse im Boden anpassen mussten. Schuttstrecker, wie der Alpen-Säuerling oder der Rhätische Mohn, überleben auch Überdeckung. Die dicken Sprosse arbeiten sich durch Schutt stets von neuem nach oben , und treiben dort immer wieder aus.

Der Rhätische- oder Alpen-Mohn:

Schuttdecker und Schuttstauer, wie Gipskraut, Silberwurz, Blaugras und Horstseggen bilden wurzelnd Decken und Polster aus, die sehr stabil sind und der Schuttbewegeung wiederstehen. 

Der Silberwurz:

Beim Stängellosem Leimkraut reicht das Wurzelsystem bis zu einem halben Meter in den Erdboden. Diese Hindernisse stellen erste Ruhepunkte in einer Schutthalde dar, wo sich auch andere Pflanzen ansiedeln können. Lotrechte Kalk- und Dolomitwände werden schließlich von Felspflanzen, die hier frei von Konkurrenz leben können, und mikroskopischen Algen und Flechten, die den Felsen zersetzten, besiedelt.

Euer,

Karl.

Dienstag, 23. Mai 2017

Carl von Linné und der schöne Name der Gams

Der wissenschaftliche Name der Gämse lautet Rupicapra rupicapra. Dieser, wie ich finde sehr schöne Name, wurde ihr vom schwedischen Naturforscher Carl von Linné im Jahre 1758 gegeben. Übrigens würde von Linné heute seinen 310ten Geburtstag  feiern.

Alte Abbildungen der Gams, aus der Damographia: oder Gemsen Beschreibung, um 1730.

Linné studierte Pflanzen, Tiere und Mineralien und wollte sie auch so einteilen, das jeder Forscher sie erkennen würde. Der heutige Name der Gams stammt sehr wahrscheinlich aus dem griechischen kemas ab, eine Bezeichnung für Wildziegen, wobei es nicht ganz klar ist, ob damit damals schon die eigentlichen Gämsen gemeint waren.  Die griechische Bezeichnung hat noch ältere Wurzeln, nämlich aus dem indischen Sanskrit camp oder kamp, das man mit springen übersetzen könnte. Wenn man eine Gams sich im gebirgigen Gelände fortbewegen und selbst steile Hänge erklimmen sieht, versteht man auch warum. In den Alpen hat die Gams aber auch andere Namen, je nach Land. Auf französisch heißt es chamois, auf spanisch isard oder auch camussa, auf italienisch camoscio, auf ladinisch ciamurc und auf furlanisch ciamòz. Linné erkannte das diese vielen Namen nur Verwirrung stiften würden. Er schlug daher vor, dass man jeder Pflanzen- und Tierart einen lateinischen Namen gibt. Rupicapra  Latein war damals eine Sprache die alle Gelehrten, unabhängig vom Land, kannten.

Ich denke ich werde mich mal auf die Spuren von Linné begeben, er liebte es nämlich zu Wandern und dabei Pflanzen zu sammeln.


Euer,

Karl.