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Dienstag, 5. Dezember 2017

Krampusnacht

Die Nacht vom fünften zum sechsten Dezember ist Krampusnacht, wenn der Krampus, halb Ziege, halb Mensch, die Häuser von unartigen Kindern besucht. Mit seinen Ketten, der gebundenen Rute und seinen Korb erschreckt er die Kinder, nur der gute Nikolaus kann ihn im Zaum halten.

Die dunklen, langen Nächte im Winter waren in den Alpen schon immer eine unheimliche Zeit. Besonders die Zeit zwischen den 25. Dezember zum 6. Jänner, die sogenannten Raunächte. In diesen Nächten waren die Perchten unterwegs, angeführt von der Frau Percht. Frau Percht war eine Figur aus vorchristlicher Zeit die Licht und Dunkel, Gut und Böse, in sich vereint. Sie führt die Perchten an, einen Zug von unheimlichen Tiergeistern.



Viele dieser Tiergeister haben Hörner und Hufe, unter anderem die Habergoaß. Krampus und Teufel haben oft die großen Hörner eines Steinbocks. Eine Gams sieht man eher selten, obwohl - so die Sage - die Gams, mit ihren hakenförmigen Krucken und schwarzen Fell, eigens vom Teufel geschaffen worden sein soll, um die jungen Jäger ins Gebirge und so in ihr Verderben zu locken. Sogar der große Naturforscher Saussure schreibt in seinem Buch Voyages dans les Alpes (1786-1796) noch, das Gemsjäger, “in den Wildnissen mit dem Teufel Umgang, der sie dann endlich in den Abgründen stürze” hätten. 

Aber all diese Tiergeister müssen bei Tagesanbruch wieder verschwinden und überhaupt, wer das ganze Jahr lang artig geblieben ist, der hat nichts zu befürchten.

Versprochen, eure Tuifele-Gams

Dienstag, 24. Oktober 2017

Sagenhafte Gams !

Die Gämse oder Gams spielt in den Sagen, Brauch und Geschichten aus den Alpen eine kleine, aber feine Rolle. Sie ist eines der Symboltiere der Berge und viele Flur- und Bergnamen beziehen sich auf sie. Allein sieben Berge in den Alpen heißen Gamskogel und die Ortschaft Kitzbühel in Tirol hat eine Gams im Wappen.



Jagd im Hochgebirge auf Stein- und Gamsböcke, aus den "Livre de chasse (Das Buch von der Jagd)" für Gaston Phebus, 1387-1389.

Auch viele traditionelle Lieder behandeln die schwierige und gefährliche Jagd nach ihr.

 
Gemsjäger waren einige der wenigen Alpenbewohner, die sich in die hohen Gipfelregionen der Alpen vorwagten. Sie mussten wissen, wie man sich zwischen Fels und Geröll bewegen kann. Sie kannten die Berge und wussten auch, wenn sich das Wetter verschlechtern würde. Gemsjäger werden im späten 18. Jahrhundert die ersten Führer für Bergsteiger und Naturforscher sein, die die Gipfelregionen der Alpen besteigen oder erforschen wollen.

J. Hess "Position dangereuse prés du Finsteraarhorn de Jean Fellmann et Gabril Schilt, fameux chasseurs de bouquetin et chamois, le 114 octobre 1822. J. Fellmann und G. Schilt, berühmte Steinbock- und Gemsenjäger in gefährlicher Lage am Finsteraarhorn.

Gamsjäger wurden bewundert, aber da sie sich so oft in die Berge vorwagten, hatten sie auch einen eher zwielichtigen Ruf. So soll die Gams, mit ihren hakenförmigen Krucken und schwarzen Fell, eigens vom Teufel geschaffen worden sein, um die jungen Jäger ins Gebirge und so in ihr Verderben zu locken. Sogar der große Naturforscher Saussure schreibt in seinem Buch Voyages dans les Alpes (1786-1796) das Gemsjäger, “in den Wildnissen mit dem Teufel Umgang, der sie dann endlich in den Abgründen stürze” hätten. 
Einst soll ein junger Gemsenjäger aus Balma hoch in die Berge gestiegen sein. Plötzlich stand ein prachtvoller Bock vor ihm. Der Jäger nahm die Armbrust von der Schulter, legte an und zielte, aber der Schuss ging weit daneben. Der Jäger stutze, aber der Bock war auch schon verschwunden. Der Jäger wollte nicht aufgeben und stieg den Bock nach. Dreimal noch verfehlte er sein Ziel. Endlich, nach langer, mühevoller Verfolgung, gelang es dem erschöpften Mann, den Gemsbock zu töten. Stolz lud er die Beute auf seine Schultern. Beim Abstieg merkte er, wie die Last immer größer wurde. Plötzlich blitze es in den Augen des Gamsbock auf. Es war der leibhaftige Teufel! Der Höllenfürst stürzte sich schon auf den Jäger, um die Seele zu fordern, als der Schütze im letzten Moment den heiligen Georg anrief. Da war der Spuck so plötzlich verschwunden, wie der Gamsbock zum ersten Mal aufgetaucht war.

Maria Rehm, um 1987, der Teufel als Gams auf den Pian della Mussa.

Im Triglav-Gebiet hat die Sage vom wilden weißen Gamsbock Zlatorog ihren Ursprung. Er hatte goldene Hörner und lebte hoch oben am Triglav in einen Garten, dessen Besitzer die Herrinnen der Tiere, die heiligen Frauen der Berge, waren. Im Garten verborgen war auch ein Schatze. Als sich ein habgieriger Jäger des Schatzes bemächtigen wollte, schlich er sich an Zlatorog an und erschoss ihn. Aus dem Blut des getöteten Gamsbocks wuchs auf der Stelle eine Wunderblume, die Zlatorog das Leben zurückgab. In rasender Wut tötete Zlatorog den Übeltäter. Hernach zerstörte er den Gebirgsgarten und ward nie mehr gesehen.

Der deutsche Schrifsteller Rudolf Baumbach (1840-1905) verfasste das fast hundert Seiten lange Gedicht "Zlatorog. Eine Alpensage" erstmals 1877, in welchem er verschiedene Sagenmotive, ein verborgener Schatz, eine verfluchte Alpe, seltene Blumen, zu Unrecht vergossenes Blut und die Sage von der Herrin der Tiere, verarbeitet.

Die Zlatorog-Gams, um 1923 von Karl Huck (1876-1926). Huck war ein österreichischer Maler der vor allem Tiere des Hochgebirge malte. 

Die ersten Bergtouristen wurden mit angeblichen Gemseneier und Gamsbärte zum Narren gehalten. Man berichtete sogar von Gamsbartwilderern, die den Gamsböcken den Bart abschneiden. Die Gämse hat aber von Natur aus keinen Ziegenbart, da sie nicht eine echte Ziege ist. Beim sogenannten Gamsbart handelt es sich um die dunklen Rückenhaare des brünftigen Gamsbocks, die zu einem Gamsbart erst zusammengerupft werden müssen.



Für heute sollte das genug sein über mich, also bis zum nächsten Mal,

eure Tuifele-Gams.

Sonntag, 24. September 2017

Pflanzen der Alpen - Überlebenskünstler Flechten

Bei einer Wanderung werden sie oft und gern übersehen, ähnlich wie Moose, aber Flechten findet man in den Bergen fast überall wenn man nur genau hinschaut.


Flechten sind keine Pflanzen, sondern eine Lebensgemeinschaft von einem Pilz mit einzelligen Algen, Bakterien und anderen Mikroorganismen. Die Algen liefern den Pilz Nährstoffe, weil sie aus Sonnenlicht und Kohlendioxid Zucker bilden können. Der Pilz umhüllt dafür die Algen, schützt sie vor ungünstigen Umwelteinflüsse und hält sie feucht. Zusammen können sie so auch noch die lebensfeindlichsten Bereiche im Hochgebirge besiedeln. Flechten können auf nackten Gestein bis in einer Höhe von weit über 7.000m gefunden werden. Weiter unten findet man sie auf Steine, auf den Erdboden oder an Bäumen hängend. In Mitteleuropa und den Alpen gibt es schätzungsweise 2.000 Arten.



Die äußere Form einer großen Flechte wird immer durch den Pilz bestimmt, man unterscheidet daher:

Strauch-, Bart-, Bandflechten: Flechte bartartig hängend, wie die gelbe Wolfsflechte (Letharia vulpina), oder strauchig wie die weiße Cladonia.




Blatt-, Laubflechten: Flechte blättrig, dem Substrat anliegend, wie dieses Isländisches Moos (Cetraria).


Krustenflechte: krustig, schuppig oder staubig auf dem Substrat anliegend, wie diese Porenflechten (Pertusaria).


Manche Biologen unterscheiden auch noch Gallertflechten, das sind Flechten die bei Feuchtigkeit aufquellen und gallertartig werden. Da diese Flechten aber auch in die anderen Gruppen fallen können, wird diese Unterscheidung nicht von allen angewendet.


Die Krustenflechten sind die häufigsten Flechten und auch sehr interessant für Geologen. Mittels der Größe eines Flechten-Lagers, wie der Hauptkörper einer Flechte genannt wird, kann an das Alter der besiedelten Oberfläche bestimmen. Flechten werden im Hochgebirge dazu benutzt, um das Alter von Steinschlag zu bestimmen oder um Gletscherstände zu rekonstruieren. Im Laufe der Zeit wachsen Flechten langsam aber beständig. Je größer eine Flechte oder je mehr Flechten eine Oberfläche bedecken, desto älter muss diese Oberfläche sein. Fünf bis 100 Jahre nachdem eine Oberfläche, zum Beispiel ein Stein von einem Gletscher freigegeben wurde, frei wird, beginnt die Besiedelung durch Flechten. Flechten wachsen zuerst schnell, mit der Zeit nimmt die Wachstumsgeschwindigkeit aber ab. Alte Flechten wachsen nur noch langsam, bis sie schließlich abzusterben zu beginnen. Einige Flechten können sehr alt werden. Die Landkartenflechte kann bis zu 5.000 bis 9.000 Jahre alt werden. Nicht alle Flechten wachsen gleich schnell und gleichmäßig, deshalb können nicht alle Flechten zur Altersbestimmung verwendet werden. Flechten werden zumeist dazu benutzt, um freie Gesteinsflächen die 200 bis 500 Jahre alt sind zu bestimmen.

Euer,

Karl.

Samstag, 9. September 2017

Auf zum Hexensabbat!

"Wenn jemand im Januar als Stier oder Hirsch erscheint, sprich sich selbst als wildes Tier kleidet und das Fell von einem Herdentier anzieht, und den Kopf eines Biestes, jene die dies tun und sich so in eine Erscheinung eines wilden Tiers verwandeln, sollen mit drei Jahren bestraft werden, denn dies ist teuflisch."
Theodor von Tarsus (602-690)

„Die vollkommene List des Teufels ist, euch zu überreden, dass er gar nicht existiert.“
Charles Baudelaire (1821-1867)

Er ist unter vielen Namen bekannt, wie Luzifer, Satan und Mephisto, aber am bekanntesten ist er wohl als Teufel. Der Name leitet sich vom griechischen Diabolos ab, was „Durcheinanderbringen“ bedeutet. Der Teufel entstand als das Gute vom Bösen getrennt wurde. Satan war zunächst nur ein Diener des Gottes Jahwes, der in dessen Namen die Menschen prüfte und bestrafte. Erst im 6. Jahrhundert wird er ein eigenständiges Wesen, das von Gott wegen seines Hochmuts verstoßen wurde, „Ich will auffahren, über die Wolken und gleich sein dem Allerhöchsten.“

Im 13. und 14. Jahrhundert glaubte man, das Hexen und Hexenmeister ihre Macht direkt vom Teufel erhielten, den sie bei geheimen Tänzen trafen. In 1437 erschien das Wer Formicarius, das gängige Vorstellungen von Hexentänze beschreibt. Man stellt sich vor, das Hexen durch die Luft reiten konnten und sich in Tiere verwandeln konnten. Das Reittier konnte ein schwarzer Bock, eine riesige rote Katze, ein Wolf, ein Hund, ein Pferd oder sogar geflügelte Dämonen sein, aber auch eine Mistgabel oder Besenstiel.
Dieser Holzschnitt aus "De laniis et phitonicis mulieribus" (1489), ein Pamphlet verfasst vom deutschen Jurist Ulrich Molitor (1442-1508), zeigt die Wilde Jagd durch die Luft.


Zum Hexentanz trafen sich Hexen und Hexenmeister um Mitternacht an bestimmten Orten, wie Waldlichtungen, Richtstätten oder auf Bergen.

Einer dieser Treffpunkte war angeblich der Schlern (2.563m), in den Südtiroler Dolomiten. Der Schlern ist ein ehemaliges Riff das sich über vulkanische Gesteine erhebt, der Gipfel wird von einem breiten Hochplateau eingenommen, das übrig blieb als der überdeckende Hauptdolomit abgetragen wurde. 


Das Hochplateau wird seit mindestens der Bronzezeit genutzt, es verwundert daher nicht, das zahlreiche Sagen hier angesiedelt sind. In den vulkanischen Gesteinen können typische Abkühlungsstrukturen gefunden werden. Die sechseckigen Querschnitte der Basaltsäulen werden in den lokalen Sagen als „Hexenstühle“ bezeichnet, da sie, so die Sage weiter, während bestimmter Nächte als Sitzgelegenheiten für Hexen und Dämonen dienen.

 
Man speiste und trank und tanzte bis zum Morgengrauen. Der Hexensabbat war das wichtigste Treffen und fand in der Johannis- (zwischen 20. und dem 22. Juni) und der Walpurgisnacht (30. April) statt. Dabei trat auch der Teufel selbst in Erscheinung, oft in der Gestalt eines Ziegenbocks. Sein Aussehen mit Bocksfüßen erhielt er übrigens vom alten Hirtengott Pan. Zur Feier wurden höllische Gerichte gereicht, Raben- und Krötenragout, gekochte Kröten und Frösche und auch gebratenes Menschenfleisch. Die alte  Abbildung aus "The History of Witches and Wizards" (1720) zeigt das Festmahl, wie man es sich damals vorstellte.


Die Hexen und Hexenmeister mussten den Teufel anbeten, ihn am Schwanz küssen und Gott verleugnen. Dieses Bild aus den Tractatus contra sectam valdensium, des Johannes Trinctor, 15. Jahrhundert, zeigt einen solchen Hexensabbat.


Bohnerz, das auch hier gefunden wird, da es aus den überlagernden Sedimentgesteinen herauswittert, wurde auch in die Sage eingebunden. Die eisenhaltigen Konkretionen sind angeblich die Nägel die aus den Schuhen der tanzenden Hexen herausgefallen sind. Erst am Morgen verschwand der Spuk, wenn der Teufel zurück in die Hölle musste und sich die Hexen und Hexenmeister in alle Winde verstreuten.

Unter der Anleitung des Teufels lernten Hexen und Hexenmeister angeblich auch Schadenszauber. Sie konnten Mensch und Vieh verhexen und Krankheiten verursachen. In Wölfe verwandelt, wurde von den Hexen auch das Vieh auf den Weiden gerissen Am schlimmsten war der Wetterzauber. Durch Peitschen des Wassers wurden Gewitter heraufbeschworen, aus Wasser und Steinen wurde Hagel gemacht und mit anderen Zaubereien wurde Eis und Stürme heraufbeschworen. Dieser Aberglaube führte auch zu grausamen Hexenverfolgung, da man die angeblich Schuldigen an Unwetter und Unglück bestrafen wollte. Hexenprozesse fanden in der Nähe des Schlern statt, nämlich bei Schloss Prösels in Völs.

Ich muss mich jetzt entschuldigen, sonst komme ich noch zu spät zum Hexentanz ;)


Euer,

Alfred.

Sonntag, 13. August 2017

Drachen in den Alpen

In einer um 1600 verfassten Landesbeschreibung von Südtirol werden unter Steinböcken, Gämsen und vielen anderen Tieren, die man in den Alpen finden kann, auch Drachen erwähnt: "Gemsen und Steinböck derfindet man in den allerwildesten hohen Schrofen (…) Darzu Biber, Dachs, Otter und Fuchs, Stainmarder, Murmentl, Hasen, Razen, wilde Katzen, Igl, Wisele, Eichhorn (…). Weiters Orhennen und Hahne, Steinhühner, Schneehühner, Reph- und Haselhühner, Spielhennen, Schneegans, Wildtauben dreierlei Sort, Enten, Storchen, Reigen, Schnepfen (…) deßgleichen Geier, Habicht, Jochgeier.
Es wollen auch etliche, dass ehe dis Land bewohnt, sich vil der Draken in Seen und Wildflussen sich aufgehalten haben. Anjzo aber ist in diser Landschaft kein Ort oder Winkl so klein oder so wil nit, er wird von Leuten durchsucht, gereinigt und bewohnt.“ Allerdings glaubt der Schreiberling wohl selber nicht so recht daran.

Athanasius Kircher veröffentlichte in 1664 "De Draconibus" wo er sich von der Existenz von Drachen überzeugt gibt, auch in Anbetracht der (fossilen) Knochen derselben. Auch der Schweizer Naturgelehrte Johann Jacob Scheuchzer (1672–1733), beschreibt in seiner  „Naturgeschichte des Schweizerlandes“, eine der ersten Beschreibungen der Alpen, Drachen. 


Scheuchzer schlägt verschiedene Erklärungen vor, um den Drachenglauben in der einheimischen Bevölkerung zu erklären. Möglich, so Scheuchzer, dass die Entdeckung von  Knochen von ausgestorbenen Tieren die Phantasie der Einheimischen beflügelte. Scheuchzer lehnt es aber nicht völlig  ab, das große, unbekannte Arten von Reptilien in den Alpen noch entdeckt werden können. Ein interessanter Hinweiß ist die Bemerkung, das Drachen auch für Naturkatastrophen verantwortlich sein sollen. Er schreibt "dass die wütenden Bergwässer bei den Älplern oft mit dem Namen der Drachen benennt werden. Wenn nämlich ein Bach die Berge herunter rauscht, und große Steine, Bäume und andere Dinge mit sich führt, so pflegen sie zu sagen: ‚Es ist ein Drach ausgefahren‘; zu welcher figürlichen Benennung vielleicht die Schädlichkeit der Drachen Anlass gegeben; und ich bin nicht in Abrede, dass nicht viele falsche Erzählungen von Drachen auch daher ihren Ursprung haben mögen."


Eine Sage aus Südtirol berichtet auch von einen Drachen der Muren verursachte. Zwischen Schlanders und Laas lag eine Stadt, deren Bewohner viele Lastern frönten und allen Belehrungsversuchen spotteten. Der Heilige St.Georg, vom nahen St. Georg Kirchlein, schickte einen Drachen, der in einer großen Höhle oberhalb der Stadt hauste. Daraufhin füllten die Bürger eine Kalbshaut mit ungelöschten Kalk und setzten die den Drachen vor. Als der Drache die Kalbshaut verschlang, bekam er großen Durst. Als er daraufhin einen ganzen See austrank, verbrannte das Tier von Innen. In seinen Todesqualen zerschlug es einen Damm, der die Stadt schützte. Die Stadt wurde verschüttet, so dass nur noch ein großer Schlammhügel ihre Stelle bezeichnet. Der Drache zerschlug noch sieben Eichen, daher der Name Siebeneich. Die Sage vom Gadria-Drachen berichtet von der lauernden Gefahr von Überschwemmungen und Muren auf einem der größten Schwemmkegel der Alpen und wurde zum Symbol für die zerstörerische Seite der Natur. Der Schwemmkegel von Schlanders entstand in einem trockenen Klima, wo Starkregenereignisse Moränenmaterial verschwemmten.

Laut Sage hausen viele Drachen ja in Höhlen oder zwischen Felsen, hoch im Gebirge. Wenn es stark regnet oder schneit, können sich aus solchen steilen Gelände Steinschlag, Lawinen oder Muren lösen und es kommt zu Sturzfluten. 


Es ist daher nicht verwunderlich, das die Menschen dachten, das ein Drache dafür verantwortlich ist. Ich schau mich mal nach Drachen um, mit steilen Berge habe ich ja genug Erfahrung, Schnee gibt es hier auch, nur das Wetter passt nicht recht, zu viel Sonnenschein ;)


Euer,

Karl.

Sonntag, 6. August 2017

Die Jagd nach den Steinbock

Seit Urzeiten wird der Steinbock gejagt. Ötzi, eine Eismumie die in den italienischen Alpen entdeckt wurde und über 5.000 Jahre alt ist, hatte vor seinen Tod Steinbockfleisch gegessen. Bei den Römern wurden Steinböcke in ihren Zirkussen vorgeführt und im Mittelalter war er eine begehrte Jagdbeute. Die Steinbockjagd war gefährlich. Die Tiere wurden in die Enge getrieben oder in steile Wände und dann mit bis zu 7m langen Jagdspießen heruntergestoßen. Das Ausfällen mit dem Gejaid- oder Gamsschaft war typisch für die Jagd in den Alpen. 


Als die ersten Feuerwaffen aufkamen wurde die Jagd sehr viel einfacher. Zu viele Steinböcke wurden abgeschossen und die Steinbockpopulationen litten sehr darunter. Im Weisskunig (1505-1516), eine Erzählung die auf das Leben von Maximilian I. beruht, lesen wir „die stainpöck waren also mit den handpuxn gar nahend ausgeödt worden...als der jung weiß kunig die stainpöckangefangen hat zu hayen, sein nit über vier stainpöck gewesen.“
Der Steinbock war nicht nur als Jagdtrophäe sehr beliebt, man glaubte auch, das Pulver aus seinen zerstoßenen Hörner gegen viele Krankheiten helfen würde. Das Pulver wurde in Apotheken für gutes Geld verkauft, kein Wunder das Jäger und Wilderer hinter mir her waren.


In den Ostalpen wurde der Steinbock um 1705 ausgerottet, ein letztes Tier wurde um 1756 in Oberösterreich erlegt. Im Schweizer Wallis wurde der letzte Steinbock um 1809 geschossen und in der Mont-Blanc-Gruppe um 1870. Diese alte Abbildung, um 1852, wurde hergestellt, als der Steinbock schon beinahe vollständig aus den Alpen verschwunden war.


Die letzten Steinböcke der Alpen überlebten ausgerechnet im persönlichen Jagdrevier von Umberto I., König von Italien. Sein Sohn jagte noch bis 1912 Steinböcke im Aostatal, sieben Jahre später schenkte er das Gebiet den italienischen Staat. Nur noch 100 Steinböcke gab es damals. Am 13. Dezember 1922 wurde der Nationalpark Gran Paradiso gegründet und heute leben wieder um die 2500 Steinböcke dort.  



Euer,

Alfred.

Mittwoch, 26. Juli 2017

Von Tieren und Bergbau in den Bergen

Der Steinbock ist eines der Symboltiere der Berge, aber besonders der Alpen, und er wurde daher oft verwendet um Dokumente und Karten zu verzieren. 

 Der stolze Steinbock und seine Berge.

Im Mittelalter war Tirol, in den Ostalpen, eine der wichtigsten Bergbauregionen Europas. In den Bergen wurde unter oft schwierigen Bedingungen nach Kupfer, Silber und Gold geschürft. Diese Tirolkarte von 1609, in der Form eines Adlers, zeigt die Reichtümer des Landes. In der rechten Ecke stellt der Löwe den Handel mit Wein nach Süditalien dar. Der Steinbock in der linken Ecke stellt dagegen den Handel von Metallen, wie Kupfer, Silber und auch Gold, mit den Schweizer Kantonen dar.


Der Bedarf an Metallen zu jener Zeit war erheblich. Eisen wurde benötigt um Waffen und Werkzeuge herzustellen. Kupfer wurde für Werkzeuge und Kunstwerke verwendet. Gold und Silber waren für den Handel wichtig. Ein Nürnberger Metallhändler schreibt in 1523:

„Silber findt man die Menge in keinem anderen Land denn im Heiligen Reich, sondern alle umbliegenden christliche und unchristliche Land müssen aus Teutschen Landen mit Silber gespeist und versehen werden.“

Die schwierige Suche nach Erz in den Bergen, führte dazu, dass das einfache Volk sich den Bergsegen in den Alpen nur durch Sagen erklären konnte. Tiere spielen in mancher Sage zur Gründung eines Bergwerks eine wichtige Rolle, vor allem in der Steiermark, Tirol und im Salzburgischen Land. Meist sind es Pferde, Ochsen, Ziegen oder Jagdwild, die mehr oder weniger zufällig eine Erzader anzeigen. Laut Sage wurde das Erz von Schwaz in Tirol duch einen wilden Stier entdeckt, der mit seinen Hörnern das Erdreich aufwühlte und die Erzader so bloßlegte. Dieselbe Sage erzählt man sich über die Entdeckung des Kupfers bei Prettau. In Brixlegg (ebenfalls in Tirol) wird eine Grube „Geyer“ genannt, da laut Überlieferung einst ein Jäger in einem Geiernest lauter Erzbrocken fand und so das Erzaufkommen erst bekannt wurde.
In einer Variante dieser Sage wirft ein Hirte einer störrischen Kuh einen Stein hinterher. Ein Berggeist, der zufällig vorbeikommt, ruft daraufhin aus „Halt Bua! Da Stoan gilt mehr als d´Kuah!!“ Es stellt sich heraus das der Stein aus Erz oder Gold besteht.

Oft hat auch der Teufel seine Hufe im Spiel. In dieser alten Abbildung übergibt der Teufel, erkennbar an seinen Bockfüßen, einigen Knappen das Geheimnis einer reichen Erzader, allerdings zum Preis ihres Seelenheils.


Auch über das Ende eines Bergwerks wird oft in Zusammenhang mit Tieren berichtet. Einst, so die Sage aus Halle, zogen die Knappen von Schwaz, betrunken nach einem ausgiebigen Gelage, einem zufällig vorbeikommenden Ochsen aus Jux die Haut bei lebendigen Leibe ab. Die Knappen fuhren danach in die Stollen ein, aber die Strafe für ihre Frevel folgte bald. Die Stollen füllten sich mit Wasser und keiner der Knappen konnte entkommen. Noch heute fließt ein blutrot gefärbtes Rinnsal aus dem ehemaligen Bergwerk. Vielleicht ist diese Sage eine Anspielung an Erzauscheidungen aus dem Grubenwasser, die oft seltsame Farben annehmen können. 



Diese Sage ist in Nord- und Südtirol in verschiedene Varianten recht verbreitet, sie unterscheidet sich hauptsächlich nur in den grausamen Details. So wird in manchen lokalen Erzählungen zusätzlich noch Salz auf den Wunden des Tieres gestreut.

Also zum Schluss eine wichtige Bitte, seid niemals grausam zu Tiere, gleich welcher Art.

Euer,

Alfred.